Ein sanfter Alien namens Griffin <!-- Buch schreiben -->

Übergänge zwischen emotionalen Extremen

Der zur Zeit in den Kinos laufende Science-Fiction-Film »Men in Black 3« (USA 2012; Regie: Barry Sonnenfeld; Drehbuch: Etan Cohen) könnte das Wörtchen »skurril« erfunden haben. Skurriler Humor und irrwitzige Action sind das Markenzeichen jedes der drei MIB-Filme mit Will Smith als Agent J und Tommy-Lee Jones als Agent K.
Umso erstaunlicher, dass der Film ein rührendes Ende hat – und zwar eins, das funktioniert.

Es funktioniert deshalb, weil dem Zuschauer die Charaktere des J und K ans Herz gewachsen sind, weil sie für den Zuschauer im Lauf der Handlung mehr geworden sind als bloß Gag-Lieferanten. Doch vermutlich würde das nicht reichen, wenn der Film von 100 % skurril zu 100 % rührend umschalten würde.
Die Macher von MIB3 benutzen einen Trick, um den Übergang abzusoften.

Der Trick hat einen Namen. Er heißt Griffin und taucht im zweiten Teil des Films auf. Griffin ist ein Außerirdischer, der alle möglichen Zukünfte zugleich sehen kann. Kein Wunder, dass er etwas abgespaced wirkt.
Griffin aber ist eben nicht nur skurril. Er bringt mit seinem Aussehen und seinen Handlungen auch eine kindliche Freundlichkeit und Naivität in den Film, mit anderen Worten: Herz. Aber nur ein bisschen. Seine skurrile Seite bleibt im Vordergrund. Dennoch ist es Griffin, der für den sanften Übergang zum rührenden Schluss sorgt.
Ohne ihn würde das Ende aufgesetzt wirken. Mit ihm aber wirkt es organisch. Der Zuschauer reagiert statt mit einem überraschten »Was für ein Kitsch!« mit einem nickenden »Hach, ja, schnüff!«.

Nicht alle emotionalen Extreme brauchen einen Übergang. Manchmal ist ja genau das Überraschende, das Unvermittelte oder sogar Schockierende eines Übergangs, der extreme Kontrast zwischen zwei Gefühlen gewollt. Wichtig ist vor allem: Sie sollten wissen, was Sie tun und welche mächtige, aber eben auch gefährliche Waffe Emotionen für einen Romanautor sind.

Schreibanstoß: Überprüfen Sie Ihren Roman auf emotionale Extreme und deren Wirkungen. Sind sie glaubhaft? Oder würde ein sanfterer Übergang ihnen guttun? Als Übergang kann vieles dienen: eine Person wie bei MIB3. Aber auch eine Handlung. Ein Dialog. Ein Ereignis von außen wie etwa das Wetter.

SW

(C) Stephan Waldscheidt 2012

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??? Meine Frage an Sie: Fallen Ihnen noch andere Beispiele für dieses Sanftmachen von emotionalen Übergängen ein? Ich bin gespannt auf Ihre Antwort — bitte hier als Kommentar …

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