Archive for the ‘Backstory’ Category

Konkrete Gedanken an Very Hot Larissa

Dienstag, Mai 15th, 2012

So machen Sie innere Monologe lebendiger

Oft sind die Gedanken eines Romanhelden essenziell, um seine Wesen kennen zu lernen oder auch, um Wichtiges für die weitere Handlung oder die Backstory zu erfahren. Gedanken aber haben einen Nachteil: Sie sind nicht greifbar, nicht sinnlich erfassbar. Ergo lösen sie beim Leser keine inneren Bilder aus und damit keine Emotionen.

Falsch. Wie ich an anderer Stelle schon mal gezeigt habe (Das Reich der Angst wimmelt von lebendigen Details), lassen sich auch Gedanken bildhaft und hoch konkret darstellen und sorgen so dafür, dass der Leser sie ebenso sinnlich erfährt wie Handlung.

Es gibt weitere Möglichkeiten, die Gedanken eines Romancharakters stark und konkret darzustellen und sie sogar in Handlung zu übersetzen. Eine der wichtigsten Handlungsmöglichkeiten im Roman ist der Dialog. Denkbar wäre also eine Übersetzung der Gedanken oder eines inneren Monologs in (äußere und) durchaus auch vehemente Selbstgespräche.

Eine andere Art des Dialogs wählt Jan Costin Wagner in seinem Kriminalroman »Das Licht in einem dunklen Haus« (Galiani Berlin 2011). Die Lebensgefährtin des Helden ist spurlos verschwunden. Er hat eine E-Mail-Adresse von ihr, die aber inaktiv zu sein scheint. Trotzdem und unbeirrbar schreibt er ihr, Gedanken wie die alltäglichen Gespräche mit ihr, die ihr fehlen. Seine Gedanken fasst es so in Worte – und dadurch werden sie auch für den Leser konkreter. Zumal der Vorgang des Schreibens ein aktiverer ist als der des Denkens.

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In der Nacht nahm er den Laptop, setzte sich aufs Sofa und schrieb an veryhotlarissa.

Liebe Larissa,

heute hat es hier zum ersten Mal geschneit. Bei dir auch? Wo bist du denn? Da du dich nicht meldest, kann ich dir ja mal erzählen, was bei mir so los ist. Wir arbeiten im Moment daran, den Tod einer noch nicht identifizierten Frau aufzuklären. Vielleicht hast du davon gehört oder gelesen. Wir wissen noch nicht viel. Es wirkt, als habe sie nirgends gelebt. Als sei sie vom Himmel direkt ins Koma gefallen. Entschuldige, das ist wohl Quatsch, was ich hier schreibe, ich schicke das jetzt erst mal ab.

Bis bald, herzlich,
Kimmo

Für den Leser bedeutet dieses Vorgehen auch eine Abwechslung von auf die Dauer ermüdenden Gedankenblöcken, Ausflüge in die »reale« Welt des Romans, die ja bereits durch das zum Schreiben Hinsetzen betreten wird.
Ein Nachteil kann sein, dass diese Form der »übersetzten« Gedanken unnatürlich oder aufgesetzt wirkt. Achten Sie darauf, dass beispielsweise ein Selbstgespräch oder, warum nicht, ein Gespräch mit der Katze (nein, die Katze sollte nicht darauf antworten, sprechende Tiere gehören in Fabeln) zum Charakter passt.

Schreibkick: Prüfen Sie den letzten Gedankengang Ihres Romanhelden. Können Sie ihn konkreter machen? Bildhafter? Tun Sie es. Packen Sie eine Emotion hinein, am besten eine, die entweder unerwartet ist oder die in dieser Szene oder im Roman noch nicht vorgekommen ist. Können Sie die Gedanken in Handlung oder Dialog übersetzen? Kann der Held seinen Gedanken in einem Gespräch jemandem mitteilen? Kann dadurch ein Konflikt entstehen?

SW

(C) Stephan Waldscheidt 2012

PS: Ich danke Galiani Berlin für die Zusendung des Rezensionsexemplars.

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PS: Ein Gutachten von Exposé oder einer Textprobe aus Ihrem Roman hilft Ihnen weiter - bevor Sie den Roman schreiben oder zumindest bevor Sie ihn an Agenten oder Verlage schicken. Es erspart Ihnen viel unnötige Arbeit in die falsche Richtung, Zeit und Frustration und wird Ihren Roman deutlich stärker machen. Versprochen.

Ich bin total beeindruckt mit wie viel Sorgfalt Sie sich mit meinem Text auseinandergesetzt haben. (…) Mein Mann, der noch mehr liest als ich, hat sich Ihr Gutachten inzwischen auch durchgelesen und sagt, als Schreiblaie habe er ganz viel gelernt.” (U. Wohlfahrt)

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??? Meine Frage an Sie: Wie lassen sich Gedanken noch bildhaft(er) machen? Ich bin gespannt auf Ihre Antwort — bitte hier als Kommentar …