Der Serienmörder als Duckmäuser und Gott
Mit einem einfachen Mittel verleihen Sie Ihren Romancharakteren mehr Tiefe: Indem Sie sie in ein anderes Umfeld setzen. Menschen passen ihr Verhalten dem Umfeld an. So spielt jeder von uns eine ganze Reihe von Rollen, die teilweise so unterschiedlich ausfallen, als wären wir eine andere Person. Nehmen Sie Ihr Verhalten Ihrem Lebenspartner gegenüber und vergleichen Sie es mit dem Verhalten Ihren Eltern gegenüber. Oder mit dem am Arbeitsplatz. Im Sportverein. Und vergleichen Sie all das mit dem Bild, das Sie von sich haben. Natürlich können Sie nicht objektiv urteilen. Wir halten uns stets für ein und denselben Menschen. Aber vielleicht gelingt Ihnen doch mal aus dem Augenwinkel ein objektiverer Blick auf sich und Ihre Rollen. Oder beobachten Sie Ihren Ehemann mal ganz genau in seinen unterschiedlichen Rollen. Aber haben Sie eine Antwort parat, wenn er sie unvermittelt fragt: „Was guckst du die ganze Zeit so?“
Wenn Sie Ihren Protagonisten in verschiedenen Rollen zeigen (einmal mit seiner Frau, ein andermal mit seiner Chefin), achten Sie darauf, dass er oder sie sich tatsächlich anders verhält. Die Unterschiede sind oft nur subtil, aber sie werden dennoch beim Leser als mehr Lebensnähe ankommen und in ihm ein besseres Verständnis für Ihren Protagonisten wecken.
Beispiel. Die Frau fragt ihren Mann, wie er sich nach der Grippe fühle. „Na ja, geht so“, antwortet er. Die Chefin stellt ihm dieselbe Frage. Er aber antwortet: „Das Fieber hat mal wieder den Kalk rausgeblasen. Während ich im Bett lag, hatte ich eine fantastische Idee, wie wir in Süd 3 unsere Vertriebsmannschaft noch effektiver einsetzen.“
Dieses Methode ist noch hilfreicher, wenn Sie sie bei Ihrem Antagonisten anwenden, zumal wenn er ein richtig übler Bösewicht ist, ein Serienkiller vielleicht. So kann er sich seinen Opfern gegenüber als gottgleich aufspielen, bevor er sie tötet. Auf seinem Arbeitsplatz im Hochregallager von Amazon jedoch ist er der Duckmäuser und Speichellecker, der dem Lagerleiter die Aktentasche nachträgt. Dem Leser eröffnet sich eine neue Seite des Helden, die ihn interessanter und insgesamt glaubwürdiger macht. Und für Ihren Romanplot eröffnen sich ebenfalls viele neue Möglichkeiten. Kommt dem Killer ein Kollege auf die Schliche, weil er einen kurzen Blick in den Spind des Killers werfen konnte und dort das Buch „Serienmorden für Dummies“ sah?
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??? Meine Frage an Sie: Wie verleihen Sie Ihren Romancharakteren mehr Tiefe?
Ich bin gespannt auf Ihre Antwort — bitte hier als Kommentar …
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Januar 7th, 2011 at 10:43
Ich lasse sie einen möglichst ehrlichen Brief an ihre Mutter schreiben, den sie später verbrennen dürfen.
Dann müssen sie sich noch gegen einen Stalker / eine Stalkerin verbal wehren, und schließlich müssen sie eine Nacht in einem Supermarkt verbringen in den sie versehentlich eingeschlossen wurden, ohne die Möglichkeit, sich rausholen zu lassen.
Danach weiß ich wenigstens in etwa, wie die Herr- und Damschaften ticken.